Teurer Schutz vor Zahlungsschwierigkeiten

Die Restschuldversicherung – sinnvolle Kreditabsicherung oder Kostenfalle?

Die Aufnahme eines Kredites ist fast immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Das gilt insbesondere bei hohen Kreditsummen, wie sie beispielsweise für den Bau bzw. Erwerb der eigenen vier Wände notwendig sind. Durch Arbeitslosigkeit, längere Krankheit oder gar Berufsunfähigkeit können Kreditnehmer schnell mit den Kreditraten in Rückstand geraten. Banken wissen um dieses Risiko und versuchen sich abzusichern. Für Kreditnehmer ist der Abschluss einer Restschuldversicherung dagegen nicht immer die optimale Wahl.

Was ist eine Restschuldversicherung?

Die so genannte Restschuldversicherung (RSV) gehört zu den Risikoversicherungen. Sie sichert einen Kreditnehmer – und je nach den Versicherungsbestimmungen auch dessen Angehörige – gegen Schwierigkeiten bei der Kreditrückzahlung ab. Verstirbt beispielsweise der Darlehensnehmer, übernimmt die Versicherung die noch offenen Kreditschulden. Neben dem Todesfall wird von einigen Policen zudem das Risiko unverschuldeter Arbeitslosigkeit oder von Erwerbs- und Berufsunfähigkeit abgesichert.

Eine Restschuldversicherung kann dem Kreditgeber als zusätzliche Sicherheit für den gewährten Kredit dienen. Einige Banken machen daher eine Kreditvergabe auch vom vorherigen Abschluss einer entsprechenden RSV-Police abhängig. In solchen Fällen sind die Banken allerdings gesetzlich verpflichtet, die Kosten einer Restschuldversicherung bei der Berechnung des Effektivzinssatzes zu berücksichtigen. Manche Kreditinstitute bestehen daher nicht offiziell auf eine RSV. Stattdessen versuchen sie unter anderem durch tendenziöse Formulierungen im Kreditangebot beim Verbraucher gezielt den Eindruck zu erwecken, dass eine solche Versicherung notwendig ist. Neben der höheren Kreditsicherheit für sich selbst profitieren die Banken hierbei zudem von der Abschlussprovision des Versicherers.

Was kostet eine Restschuldversicherung?

Die Gebühren für eine Restschuldabsicherung werden im Regelfall von der Bank bei Ausreichung des Kredits auf die Darlehenssumme aufgeschlagen – wodurch sich die Kreditraten für die Rückzahlung erhöhen. Die Höhe der Kosten variiert je nach Anbieter und Umfang der Absicherung. Bei einigen Banken fallen bis zu 30 Prozent der Kreditsumme als Prämie an. Da können sich schon bei vergleichsweise kleinen Kreditsummen die Gebühren schnell auf mehrere tausend Euro belaufen.

Nach Ansicht von Verbraucherschützern sollten Restschuldversicherungen, deren Kosten zehn Prozent der Kreditsumme übersteigen, nicht akzeptiert werden. Im Übrigen sei der direkte Abschluss einer entsprechenden Police bei einer Versicherungsgesellschaft meist deutlich günstiger als bei der Bank bzw. deren Kooperationspartner.

Was sind die Vor- und Nachteile einer Restschuldversicherung?

Neben den hohen Kosten kritisieren Verbraucherschützer bei Restschuldversicherungen insbesondere die in vielen Fällen nur lückenhafte Absicherung der Kreditnehmer. So tritt der Versicherungsschutz meist erst eine bestimmte Frist nach Vertragsabschluss in Kraft. Zudem müssen einige abgedeckte Risiken, wie etwa unverschuldete Arbeitslosigkeit, oftmals schon eine bestimmte Zeit angedauert haben, bevor Leistungen durch die RSV gewährt werden – und wenn die Kreditraten dann übernommen werden, ist diese Leistung häufig auf maximal ein Jahr begrenzt.

Für eine Restschuldversicherung spricht dagegen der schnelle und vereinfachte Vertragsabschluss gegenüber der individuellen Einzelabsicherung. So besteht für einen Kreditnehmer bei einem separaten Abschluss einer alternativen Risikolebensversicherung durchaus die Gefahr, vom Versicherer aufgrund einer mangelhaften Gesundheitsprüfung abgelehnt zu werden. Zudem ist bei der RSV die ergänzende Absicherung gegen das Risiko unverschuldeter Arbeitslosigkeit möglich.

Für wen eignet sich eine Restschuldversicherung?

Überlegenswert sind Restschuldversicherungen meist nur dann, wenn es um besonders hohe Kreditsummen geht, wie sie etwa für den Bau bzw. Erwerb der eigenen vier Wände notwendig sind. Das gilt umso mehr, wenn die Baufinanzierung innerhalb einer Familie nur von einem Partner getragen wird.

Doch selbst in solchen Fällen hängt die Frage, ob man sich bei einer Kreditaufnahme für oder gegen eine Restschuldversicherung entscheidet, allgemein vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis sowie den individuellen Lebensumständen ab. Kreditnehmer sollten sich dabei unter anderem fragen, wie sicher der eigene Arbeitsplatz ist, welche Angehörigen abgesichert werden müssen, welche Kreditrisiken durch andere Vermögenswerte abgedeckt werden können und welche anderweitigen Risikoabsicherungen schon bestehen.

So ist eine Restschuldversicherung meist nur dann sinnvoll, wenn der Kreditnehmer noch nicht anderweitig gegen Berufsunfähigkeit, Unfall oder Tod abgesichert ist. Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie eine Risiko-Lebensversicherung oder eine private Unfallversicherung abgeschlossen hat, kann sich eine RSV-Police nach Meinung von Verbraucherschützern im Prinzip schenken. Und wer noch nicht darüber verfüge, fahre meist mit dem separaten Abschluss solcher Policen deutlich günstiger.

(ENDE) versicherungspuls.de/26.10.2010