Umstellungsbedingungen genau prüfen

Pflegeversicherung: Reform lässt Beiträge steigen

Die Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung lässt die Beiträge privater Pflegezusatzversicherungen steigen – auch für Altverträge. Wichtig: Werden Beiträge erhöht, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Hierfür gilt eine Frist von zwei Monaten ab Erhalt der Änderungsmitteilung. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, vorhandene Verträge genau zu prüfen und nicht vorschnell zu kündigen.

Viele Menschen mit einer privaten Pflegezusatzversicherung haben bereits Post von ihrem Versicherer erhalten. Er informiert über eine Umstellung der Versicherungsbedingungen und eine Erhöhung der Beiträge – die teilweise sehr deutlich ausfällt. Hintergrund ist vor allem die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung. „Versicherer dürfen die Versicherungsbedingungen auf die neuen Pflegegrade umstellen und die Prämie an die veränderten Leistungen anpassen“, erklärt Kai Kirchner, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Bei der Umstellung der Versicherungsverträge von bisher drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade gelten feste Regeln. So wird unter anderem aus der Pflegestufe III der Pflegegrad 4. Bereits früher vertraglich zugesicherte Leistungen dürfen im Zuge dieser Umstellung nicht einseitig durch die Versicherer gekürzt werden. „Hat der Versicherer beispielsweise für die Pflegestufe III bisher 100 Prozent des versicherten Tagegelds zugesagt, muss er künftig auch für den Pflegegrad 4 dieses Tagegeld zahlen“, erklärt Kirchner. Doch nicht alle Unternehmen halten sich an diese Vorgaben.

Ein der Verbraucherzentrale Niedersachsen vorliegender Vertrag sah bisher für die Pflegestufe III 100 Prozent des versicherten Tagegelds vor. Nach der Änderung erhält der Versicherte im Pflegegrad 4 nur noch 40 Prozent des versicherten Tagegeldes und erst ab Pflegegrad 5 die vollen 100 Prozent. „Diese Umstellung ist nach unserer Auffassung nicht zulässig. Der Versicherer hätte für den Pflegegrad 4 das bisherige Tagegeld vorsehen müssen, auch wenn der Beitrag dadurch deutlich gestiegen wäre“, ist Kirchner überzeugt. „Daneben ist es Versicherern natürlich erlaubt, Kunden günstigere Tarifvarianten mit reduzierten Leistungen anzubieten.“

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät deshalb, vorhandene Verträge genau zu prüfen. Erfolgt die Umstellung nicht korrekt, sollten sich Betroffene an ihren Versicherer wenden und schriftlich um Anpassung des Vertrags gemäß der gesetzlichen Vorgaben bitten. Um Kosten zu sparen, kann ein Tarifwechsel sinnvoll sein. Von einer vorschnellen Kündigung rät Experte Kirchner trotz des Sonderkündigungsrechts hingegen ab. „Bei Neuabschluss einer Pflegezusatzversicherung wird meist ein höherer Beitrag fällig und bereits gezahlte Beiträge erhält der Versicherte nicht zurück.“


Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen
(Ende) versicherungspuls/02.03.2017/pm/mar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *