Ein Kennzeichen für drei Autos?

Kfz-Wechselkennzeichen: Auto-Versicherer warten auf gesetzliche Regelung

Die im Bundesverkehrsministerium diskutierte Einführung eines Kfz-Wechselkennzeichens stößt in der Versicherungswirtschaft noch auf verhaltene Reaktionen. Viele Unternehmen wollen offenbar erst dann spezielle Tarife anbieten, wenn sich der Gesetzgeber auf ein konkretes Datum für den Start festgelegt hat und die Details der Regelung vorliegen. Das legt zumindest eine aktuelle Umfrage von FinanceScout24 unter verschiedenen deutschen Kfz-Versicherern nahe.


Für die Bürger hätte das ab 2011 geplante Wechselkennzeichen den Vorteil, dass sich Haushalte mit bis zu drei Autos ein Kennzeichen teilen können – vorausgesetzt, es wird immer nur ein Fahrzeug gleichzeitig bewegt. Kfz-Steuer und Versicherungsprämie würden in diesem Fall nur einmal anfallen und sich am teuersten Wagen orientieren. Der ADAC – dessen Autoversicherung bereits einen ausgearbeiteten Tarif für Wechselkennzeichen vorgelegt hat – hält dieses Konzept für eine gute Lösung und verweist auf die Schweiz und Österreich, wo es das Wechselkennzeichen bereits gibt.

Die Verbraucher sind von der Idee offenbar ebenfalls angetan. Umfragen zufolge könnten sich rund 30 Prozent der Deutschen den Kauf eines Zweitwagens vorstellen, sollten für diesen dank Wechselkennzeichen keine zusätzlichen Steuern und Versicherungskosten anfallen. Bei Familien liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent. Autobauer und Gebrauchtwagenhändler gehören deshalb ebenfalls zu den Befürwortern der Idee.

Mehr zum diskutierten Kfz-Wechselkennzeichen:

Bundesverkehrsminister Ramsauer: Freie Fahrt für Wechselkennzeichen (Focus Online)
Kfz-Gewerbe fordert Wechselkennzeichen (Auto-Motor-Sport Online)
Wechsel-Kennzeichen: Wechselbare Kfz-Schilder bleiben umstritten (Techfieber Motor)
wikipedia-Eintrag: Kfz-Wechselkennzeichen (auch zur Situation in Österreich und der Schweiz)
kfz-wechselkennzeichen.de (allgemeine Info-Seite)

Versicherer sehen Kundennutzen skeptisch

Die deutschen Kfz-Versicherer kommentieren die Pläne des Bundesverkehrsministers dagegen teilweise unterschiedlich, wie die Umfrage von FinanceScout24 ergab. “Technisch und kalkulatorisch sind Wechselkennzeichen durchaus vorstellbar. Es gibt jedoch keinen größeren Kundenbedarf und -nutzen hierfür”, glaubt demnach beispielsweise Stefan Lutter, Pressereferent der VHV Gruppe. Aus Kundensicht sei ein Wechselkennzeichen vor allem dann interessant, wenn jemand mehrere Autos besitze und diese alleine fahre: “Dies ist nicht die Regel. Im Gegenteil – meist werden die Fahrzeuge vom Partner oder den Kindern mitbenutzt. Deshalb sehen wir für die Einführung von Wechselkennzeichen keine Notwendigkeit”, so Lutter weiter.

Differenziert betrachte das Thema auch die DEVK: “Es ist schwer zu sagen, in welchem Umfang die Bürger davon Gebrauch machen würden. Möglicherweise werden Wechselkennzeichen zum Teil anstelle von Saisonkennzeichen genutzt”, erklärte DEVK-Pressereferentin Maschamay Poßekel. Einen konkreten Tarif könne man erst anbieten, wenn die Details zur Verwendung von Wechselkennzeichen feststünden. Dann könne man auch abschätzen, welche Auswirkungen die Verordnung auf das Prämienvolumen haben werde, so Poßekel.

Sinkendes Beitragsvolumen nicht befürchtet

Die AdmiralDirekt steht den Überlegungen positiv gegenüber: “Für den Halter würde sich die Zulassung eines weiteren Autos deutlich einfacher gestalten. Wir würden interessierten Kunden gerne ein individuelles Angebot machen”, erklärte Pressereferent Bernhard Köhne. Allerdings wolle auch die AdmiralDirekt die endgültige Entscheidung des Gesetzgebers abwarten, ehe sie einen speziellen Tarif auf den Markt bringe. Sinkende Beitragseinnahmen erwarte Köhne nicht, da es sich um einen ganz neuen und risikogerecht kalkulierten Versicherungsschutz handeln werde.

Auch die HUK Coburg unterstützt die Überlegungen des Bundesverkehrsministeriums zur Einführung von Wechselkennzeichen. “Wir würden uns freuen, eine kostengünstige Lösung zu finden, die die umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung unter Beachtung der Bedürfnisse der Fahrzeughalter unterstützt”, meinte Stefan Eichhorn, Pressesprecher der Gesellschaft. Einbußen im Kfz-Geschäft fürchte dabei auch er nicht. “Die Wechselkennzeichen würden den Absatz umweltfreundlicher Autos fördern. Dies könnte sogar zu einem höheren Prämienvolumen führen”, so Eichhorn.

Warten auf klare Gesetzesvorgaben

Bei der EUROPA Versicherungen rechne man damit, dass die Details einer Wechselkennzeichen-Verordnung frühestens Mitte September 2010 vorliegen werden. Erst dann könne man sich konkret dazu äußern und ein entsprechendes Produkt entwickeln. Auch der AXA-Konzern warte erst einmal ab. “Natürlich beschäftigen wir uns mit diesem Thema und den vielen noch offenen Fragen. Aber erst dann, wenn die Feinheiten geklärt sind, können wir einen konkreten Tarif anbieten”, erklärte Pressesprecherin Sabine Friedrich.

Quelle: Financescout 24
(ENDE) versicherungspuls.de/05.08.2010