Versicherungsschutz

Wildunfälle: Für welche Schäden kommt die Kfz-Versicherung auf?

In den grauen und kalten Monaten steigt auf Deutschlands Straßen die Gefahr von Wildunfällen. Wie sollten sich Kraftfahrer in einem solchen Fall verhalten und was gilt es für den Versicherungsschutz zu beachten?

Herbstzeit ist Wildwechselzeit: Autofahrer sollten daher in diesen Monaten gerade auf Landstraßen besonders vorsichtig fahren. Weil zusätzlich die frühe Dämmerung sowie Nebel und Regen die Sicht erschweren können, kommt es in Waldgebieten vermehrt zu Unfällen mit Wildtieren. Nach Angaben des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (für 2012) wird alle zweieinhalb Minuten ein Wildtier auf Deutschlands Straßen von einem Auto angefahren. Das summiert sich im Jahr bundesweit auf bis zu 200.000 Rehe und mehr als 20.000 Wildschweine. Glücklicherweise bleibt es dabei meist beim Sachschaden: Personen werden nur bei rund zwei Prozent aller Wildunfälle verletzt, wie der Versicherer Signal Iduna berichtet.


Mit angepasster Fahrweise Unfälle vermeiden

In Zeiten verstärkten Wildwechsels sollten Autofahrer vorausschauend und bremsbereit fahren und den Straßenrand im Auge behalten. Sofern möglich, empfiehlt es sich Abstand zum rechten Fahrbandrand zu halten. Der ADAC empfiehlt in solchen Situationen eine Fahrgeschwindigkeit gleich der Sichtweite. Das heißt, bei einer Sichtweite von weniger als 50 Metern sollte die Geschwindigkeit auch nicht mehr als 50 km/h betragen. Besondere Vorsicht ist vor allem in schwer einsehbaren Kurven und auf neu gebauten Straßen durch Waldstücke angebracht.

Besondere Vorsicht ist auf Strecken geboten, auf denen das dreieckige Straßenschild mit dem springenden Reh warnt. Wird Wild am Straßenrand gesichtet, und sei es nur in Form leuchtender Augen, sollte versucht werden, die Tiere hupend zu verscheuchen. Auch das Abblenden des Fernlichtes kann hilfreich sein, da das Wild sonst in dem grellen Licht in einer Art Schockstarre verharrt. Kraftfahrer sollten auch immer im Kopf haben, dass viele Tiere Rudeltiere sind. Hat also beispielsweise ein Reh oder Wildschwein schon vor einem die Straße überquert, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass weitere folgen.

Was tun bei einem Wildunfall?

Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Wildunfall, sollten Autofahrer die Unfallstelle sichern (Warnblinker, Warndreieck) und dann sofort die Polizei und die Forstbehörde verständigen. Vom sogenannten Jagdausübungsberechtigten (oder dessen Vertreter) muss dann eine “Wildunfallbescheinigung” ausgefüllt werden, wie die Gothaer Versicherung informiert. Diese gilt als Nachweis über den Wildunfall und ist für die Regulierung durch die Kfz-Versicherung sehr wichtig.

Der Wildschaden sollte unverzüglich der Versicherung gemeldet werden. Für die Beweissicherung sollten Betroffene Fotos von der Unfallstelle und – sofern möglich – auch vom Tier selbst machen. Denn grundsätzlich gilt, dass der Versicherte in der Beweispflicht ist und den Unfallhergang zweifelsfrei belegen muss. Das ist vor allem dann problematisch, wenn das Tier geflüchtet ist und am Fahrzeug keine Spuren (wie Fellreste, Blut) hinterlassen hat. Dann bleibt nur die Hoffnung auf Zeugenaussagen zum Unfallhergang bzw. auf nachweisbare Spuren des Wildes am Fahrbahnrand. Andernfalls besteht gerade bei Teilkasko-Schutz durchaus die Gefahr, dass geschädigte Kraftfahrer ihre Kosten nicht von der Versicherung erstattet bekommen.

Wie ist der Wildunfall versichert?

Bei Zusammenstößen mit so genanntem “Haarwild” (wie Rehe, Hirsche, Wildschweine) greift grundsätzlich die Teilkasko-Versicherung. Einige Gesellschaften bieten in ihrer Grunddeckung bereits eine Deckungsausweitung auf weitere Tiere an. Da sind dann beispielsweise auch Zusammenstöße mit Pferden, Rindern oder Schafen versichert.

Allerdings: Wer sein Auto bei einem drohenden Wildzusammenstoß vor lauter Schreck in den Straßengraben, an einen Baum oder gar in den Gegenverkehr lenkt, der riskiert seinen Versicherungsschutz. Gleiches gilt auch bei fehlgeschlagenen Ausweichaktionen, sofern das Ausweichen nicht als Rettungsmaßnahme und zur Verhinderung eines größeren Schadens notwendig war. Hier argumentieren Versicherungen bei der Teilkasko gerne damit, dass ein Zusammenstoß zumindest bei kleineren Tieren wie etwa Dachsen oder Waschbären zu geringeren Schäden am Auto geführt hätte. Hier hilft eigentlich nur: entschlossen bremsen so stark es geht und das Lenkrad fest halten.

Wünschen Kraftfahrer einen umfassenderen Versicherungsschutz, sollten sie über den Abschluss einer Vollkasko-Versicherung nachdenken. Diese leistet auch dann bei Unfällen mit Tieren, die nicht über die Teilkasko versichert sind oder in Fällen, in denen der Fahrer einen Wildunfall nicht nachweisen kann. Auch durch Ausweichmanöver entstandene Fahrzeugschäden sind in der Regel hierüber versichert, haben dann aber meist Einfluss auf den Schadenfreiheitsrabatt.


Mit Quellen von Gothaer, Signal Iduna, VGH
(Ende) versicherungspuls/06.10.2014/mar