Gesundheitsmonitor 2010

Gesetzlichen Krankenversicherung: Kaum Begeisterung für “Vorkassetarif”

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung misst dem so genannten “Vorkasseprinzip” der gesetzlichen Krankenversicherung keine große Bedeutung bei. Vielmehr spielt diese Form der Kostenerstattung, bei der die Patienten ihre Arztrechnung zunächst aus eigener Tasche begleichen, bei der Beurteilung der Krankenkassen durch die Versicherten lediglich eine untergeordnete Rolle. Das geht aus dem Gesundheitsmonitor 2010 der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach zeigt sich auch in der Praxis, dass die bereits seit 2004 von den gesetzlichen Kassen angebotenen freiwilligen Tarife kaum angenommen werden.


Frage man die Bevölkerung nach ihren Präferenzen bei der Beurteilung ihrer Krankenkasse, rangiere der Kostenerstattungstarif unter insgesamt zwölf Kriterien nur auf Platz neun (30 Prozent Zustimmung). Der Selbstbehalttarif liege mit neun Prozent auf dem letzten Platz. Der Kostenerstattungstarif richtet sich an gesetzlich Versicherte, die ihre Leistungen wie Privatversicherte in Anspruch nehmen möchten. Beim so genannten Selbstbehalttarif bieten die Krankenkassen Prämienzahlungen als Gegenleistung dafür an, dass der Versicherte Kosten übernimmt, die eigentlich die Krankenkasse zahlen muss.

Für die Befragten ist dem Gesundheitsmonitor zufolge die gute Erreichbarkeit (57 Prozent) das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung der Krankenkassen. Erst mit einem relativ großen Abstand folgten Bonusprogramme (46 Prozent), gute Angebote für chronisch Kranke (45 Prozent), Kostenübernahme für Gesundheitskurse (43 Prozent), Beitragsrückzahlung bei Leistungsfreiheit (41 Prozent), Zusatzleistungen bei Krankheit zu Hause (39 Prozent) und Kostenübernahme für alternative Medizin (39 Prozent). Die gesetzlich versicherte Bevölkerung habe demnach eine insgesamt skeptische Grundhaltung gegenüber den zwei Tarifen, die eine direkte Bezahlung des Arztes durch den Patienten beinhalten.

Signifikant großes Interesse am Kostenerstattungstarif zeigten vor allem Menschen, die angeben, bei guter Gesundheit zu sein. Dagegen stoße der Selbstbehalttarif bei freiwillig gesetzlich Versicherten und Menschen mit hoher Schulbildung auf besondere Zustimmung. “Die Stärkung des ‘Vorkasseprinzips’ könnte das Potential haben, freiwillig Versicherte an die GKV zu binden”, interpretierte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse des Gesundheitsmonitors 2010. Allerdings könnten weniger gut Informierte im Unklaren darüber sein, dass Ihnen möglicherweise nur ein Teil der entstandenen Aufwendungen erstattet wird. Hier sollten die Folgen einer Tarifentscheidung für den Versicherten transparent sein, so dass eine informationsbasierte Entscheidung für jeden Einzelnen möglich sei.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt jedes Jahr 1.500 Personen zu aktuellen Themen im Politikfeld Gesundheit. Die Befragten repräsentieren den Bevölkerungsdurchschnitt. Aufgrund der Komplexität der Fragen werden die Fragen schriftlich beantwortet.

Quelle: Bertelsmann Stiftung
(ENDE) versicherungspuls.de/07.12.2010