Kaufkraft: Was ist der Euro im Ausland wert?

Die Urlaubssaison nähert sich mit großen Schritten. Bei der Auswahl des Ferienziels spielt für viele Deutsche mittlerweile auch der Kostenaspekt eine immer größere Rolle. Da ist es gut zu wissen, was der Euro im Ausland wert ist: Wo gibt es mehr für einen Euro, wo zahlen Reisende drauf? Dazu wertet das Statistische Bundesamt regelmäßig die Kaufkraft des Euro in anderen Ländern aus.

Auslandsreisen müssen nicht zum teueren Vergnügen werden. Neben günstigen Flügen bei Billig-Airlines profitieren Urlauber in vielen Ländern von einer höheren Kaufkraft des Euro. Essen, Trinken, Ausflüge, Freizeitspaß und andere urlaubsprägende Kosten werden so für deutsche Reisende deutlich günstiger. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt in einer 33 Länder umfassenden Kaufkraftuntersuchung. Dabei berücksichtigen die Statistiker sowohl das unterschiedliche Preisniveau zwischen den Ländern sowie etwaige Wechselkurse.

Mehr für’s Geld

Am meisten für ihr Geld bekommen Reisende demnach in Südafrika. Wer diesen Sommer nach Kapstadt, Johannesburg oder in den Kruger-Nationalpark reist, erhält dort für einen Euro 54 Prozent mehr als in Deutschland. Deutlich mehr wert ist ein Euro aber auch in Namibia (35 Prozent), Polen (33 Prozent), Ägypten und Tunesien (je ein Viertel mehr), China (23 Prozent) sowie im benachbarten Tschechien (17 Prozent). Für einen Euro erhält der Reisende in diesen Ländern somit Waren und Dienstleistungen, für die er in Deutschland in etwa zwischen 1,33 und 1,17 Euro zahlen müsste.

Skandinavien und Japan teueres Pflaster

Etwas teuerer bleibt es für Reisende weiterhin in Italien, Frankreich, Irland und der Schweiz. Hier liegt die Kaufkraft von einem Euro zwischen 91 und 83 Cent. In Dänemark und Norwegen bekommen Reisende zwischen gut ein Fünftel weniger als sie in Deutschland. Am teuersten ist es für Touristen weiterhin in Japan. Hier gibt es für einen Euro gerade mal Waren und Dienstleistungen im Wert von 68 Cent.

So viel gibt’s für einen Euro:

Land
(Stadt der Vergleichsrechnung)
1 dt. Euro = Landeswert in Euro
Südafrika (Pretoria) 1,54
Polen (Warschau) 1,33
Ägypten (Kairo) /Tunesien (Tunis) 1,25
China (Peking) /
Indien (Neu-Dehli)
1,23
Thailand (Bangkok) 1,22
Tschechien (Prag) 1,17
Australien (Sydney) 1,15
Kroatien (Zagreb) 1,11
Dominikanische Republik (Santo Domingo) 1,09
Großbritannien (London) 1,07
Russland (Moskau) 1,04
Türkei (Istanbul) 1,00
Schweden (Stockholm) 0,99
Niederlande (Den Haag) /
Spanien (Madrid)
0,97
USA (Washington D.C.) 0,96
Österreich (Wien) 0,95
Italien (Rom) 0,91
Frankreich (Paris) 0,88
Irland (Dublin) 0,86
Schweiz (Genf) 0,83
Dänemark (Kopenhagen)/
Norwegen (Oslo)
0,79
Japan (Tokyo) 0,68

(Quelle: Statistische Bundesamt, Stand: Februar 2009)

Studie bietet nur Anhaltspunkte

Die Studie des Statistischen Bundesamtes richtet sich zwar an im Ausland lebende Beamte, bietet aber auch Urlaubern gute Anhaltspunkte für die Reiseplanung. Allerdings: Die Kaufkraft wird oft für die Hauptstädte ermittelt. In anderen Landesteilen kann das Preisniveau unterschiedlich ausfallen. Zudem basiert der Kaufkraftvergleich auf einem “deutschen Warenkorb”. So können einzelne Produkte wie Kosmetika oder Jeans in den USA trotz gleicher Kaufkraft billiger sein, was aber durch höhere Hotelpreise wieder ausgeglichen wird.

Wie günstig oder teuer ein Urlaub am Ende wirklich wird, hängt neben dem etwaigen Wechselkurs stark vom Preisniveau vor Ort ab. Restaurantbesuche, Einkäufe, Eintrittsgelder oder Mietwagenbuchung können sich da schnell zu hohen Beträgen summieren.

Der BigMac-Index

Weitere Hinweise auf die Erschwinglichkeit eines Urlaubsortes liefert übrigens der BigMac-Index der Zeitschrift “The Economist” (Stand: 4. Februar 2009 – genauere Erklärung bei Wikipedia). Demnach muss man im Euro-Raum für einen Burger im Schnitt 4,38 Dollar (3,42 Euro) bezahlen. In Südafrika kostet der BigMac hingegen nur 1,66 Dollar – gut 60 Prozent weniger. Bei unseren osteuropäischen Nachbarn schwankt der Preis für ein Fleischbrötchen zwischen 2,01 Dollar (Polen) und 3,02 Dollar (Tschechien).

Deutlich mehr bezahlen müssen FastFood-hungrige Touristen hingegen in der Schweiz (5,60 Dollar), Dänemark (5,06 Dollar) und Norwegen (5,79 Dollar). Allerdings, auch wenn der BigMac überall aus den gleichen Zutaten besteht, ein Augenzwinkern ist bei diesem ausschließlich auf ein Produkt bezogenen Kaufkraftvergleich durchaus angebracht.

Am Ende sollte ein Kaufkraftvergleich – ob BigMac-Index oder berechnet vom Statistischen Bundesamt – bei der Urlaubsplanung nur als eine von mehreren Entscheidungshilfen dienen. Schließlich sagt er nur etwas über die reine Kaufkraft des Euro aus und nicht, ob der Urlaub in den günstigen Regionen auch am schönsten wird.

Quelle: Bundesamt für Statistik (destatis.de), BigMax-Index/economist.com
(ENDE) versicherungspuls/06.04.2009/mar